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Johannes Rydzek wird vom Jäger zum Gejagten

Als Doppel-Weltmeister kehrte Johannes Rydzek vor zwei Jahren von der WM zurück. Jetzt will er seine Titel verteidigen. Das ist vor allem eines: Kopfsache

Johannes Rydzek gibt sich viel Mühe, die neue Ausgangslage kleinzureden – ignorieren kann er sie nicht, denn in diesem Winter steht für die Nordischen Kombinierer wieder eine WM auf dem Programm. Rydzek geht dann als Titelverteidiger in die Rennen. 2015 gewann der Mann aus Oberstdorf im schwedischen Falun Doppel-Gold (Einzel von der Normalschanze und mit der Mannschaft). 2017 ist er also erstmals der Gejagte, wenn die Kombinierer im eisigen Lahti (22. Februar bis 5. März) die neuen Weltmeister suchen.

„Ich muss versuchen, das Thema Titelverteidigung und das ganze Drumherum ein bisschen auszublenden“, sagt er. Sein Ansatz zur Selbstberuhigung: Lahti wird „im Prinzip nichts anderes, als vor zwei Jahren“. Damals allerdings war der Allgäuer der überragende Athlet der nordischen Ski-WM. Seitdem sei die Weltspitze noch ein Stückchen enger zusammen gerückt, sagt Rydzek. „Vor allem haben wir einen Norweger, der enorm weit vorne wegspringt, was es noch schwieriger als vor zwei Jahren macht.“ Rydzeks Vorbereitung im Sommer habe weitgehend wie geplant funktioniert, „auch wenn es nicht immer nur nach vorne läuft. Ich habe in diesem Jahr zum Beispiel auch mal eine Erkältung mitgenommen.“ Trotzdem absolvierte der 24-Jährige rund 200 Trainingssprünge, den Großteil von der Schanze seiner Heimatstadt Oberstdorf. Dazu kommen über das Jahr verteilt 6000 Kilometer auf Skiern und Rollern, außerdem zahlreiche Einheiten im Kraftraum oder bei der Physiotherapie. „Das alles ist schon ein ziemlich hoher Aufwand“, sagt Rydzek. „Es wird auf jeden Fall nicht langweilig.“

Ganz im Gegenteil: Spannend wird vielmehr werden, ob dem Weltmeister der Saisonstart diesmal besser gelingt, als die vorherigen. „In den letzten Jahren waren die Sommerwettbewerbe immer recht gut bei mir, aber ich konnte dann nicht ganz so gut in den Winter rein starten.“ Der nächste Versuch steht in gut einer Woche im finnischen Ruka an. „Ich will einfach die Form, die ich mir erarbeitet habe, auch in den Weltcups umsetzen“, sagt Rydzek. „Und ich will mir eine gewisse Konstanz über den Winter holen, dass ich dann mit Selbstvertrauen zur WM fahren kann. Da gibts ja dann einen Titel zu verteidigen, was enorm schwierig wird.“ Ein Grund ist die starke Konkurrenz aus dem eigenen Lager. Die deutsche Mannschaft ist extrem stark und ausgeglichen besetzt. Vor allem der vierfache Gesamtweltcupsieger Eric Frenzel dient als Maßstab.

Rydzek sieht vor allem die positiven Nebeneffekte des starken Teams: „Es ist von uns von Vorteil, dass wir uns gerade auf den Trainingslehrgängen im Sommer gegenseitig pushen können. Wir haben ein extrem starkes Team und eine tolle Gruppendynamik.“

Eine spezielle Vorbereitung auf die Titelkämpfe sei zwar geplant, „aber das ist sehr schwierig. Plan und Realität passen nicht immer zusammen. Wir haben ja auch viele Weltcups, wo man auch vorne dabei sein will. Außerdem muss man sich da ja erst einmal für die WM qualifizieren.“ Das gilt auch für den Weltmeister.

Text: Andreas Kornes, Allgäuer Anzeigeblatt, 17.11.2016

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